AUFRUF zum BILDERSTURM

Ausgangspunkt des Projektes ist eine grundlegende Kritik an medizinischen Sprachbildern, wie sie in Bezug auf die Pathogenese und Klinik von Autoimmunerkrankungen in Verwendung sind. In Referenz auf Lakoff und Johnson (1999) werden Metaphern als kognitive Konzepte verstanden, die die Rekonstruktion von Denk-, Sprach- und Handlungsmustern ermöglichen. Mit der Methode der systematischen Metaphernanalyse lassen sich neben dem funktionalen Gehalt, den impliziten Werten und Ressourcen einer rekonstruierten Metaphorik auch deren “ausdrucksverkürzender, erkenntnisverhindernder Gehalt” zeigen und die “kognitiven Defizite einer metaphorischen Sicht” erkennen (Schmitt, 2003).

Im Zusammenhang mit Autoimmunität stehen Zivilkriegs-Metaphern im Brennpunkt des klinischen Diskurses: die eigenen Abwehrzellen  (“die eigenen Truppen”) bekämpfen das eigene Körpergewebe (“die eigenen Leute”). Es ist die Dichotomie  zwischen Selbst und Nicht-Selbst, die Grenzziehung zwischen Eigenem und Fremden, auf die sich die Sprachbilder konzentrieren.

In Bezug auf Lupus (SLE) kommt noch die Wolfsmetapher hinzu: die mit dem Krankheitsbild assoziierten Hauterscheinungen sollen an die (geröteten) Spuren von Wolfsbissen erinnern, daher die Bezeichnung “roter Wolf”, Lupus erythematodes.
In der Lupus-Patientenbroschüre der Rheumaliga ist bezüglich autoimmuner Reaktionen von “sinnloser Selbstzerstörung” die Rede und von der Unfähigkeit des Körpers der Betroffenen, “Eigenes” und “Fremdes” zu unterscheiden. In der Medizingeschichte prägte der Begründer der Immunologie Paul Ehrlich den Begriff “horror autotoxikus” angesichts des “vitalen Paradoxons”, das für ihn die Möglichkeit der Autoimmunität darstellte: die Furcht vor Selbstzerstörung als Selbstvergiftung.

Diese Bilder sind aus der Innenperspektive Betroffener inakzeptabel – daher besteht ein Ziel des Projekts TRANSpoesie darin, neue Bilder zu finden und zu schaffen für Autoimmunität und für SLE – als Symbolisches Leiden in Expositur, Seltene Lebensform Entwicklung, Seltsam Leuchtende Erfahrung, Sublime Leidens-Epiphanie…

© Barbara Macek, 2013

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